Friedhof und Stadtpark ?
Auf dem Friedhof? - Wer lässt sich denn heute noch dort bestatten?
Ein Grab macht doch viel zu viel Arbeit, ist teuer und irgendwie nicht mehr zeitgemäß. Ist die klassische Friedshofsbeisetzung im Sarg oder in der Urne ein Auslaufmodell? Jedenfalls lässt sich nicht übersehen, dass alternative Bestattungsformen, etwa im Wald oder auf See, zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Friedhöfe erfüllen jedoch noch weitere Funktionen. Selbstverständlich sind sie Orte der Begegnung mit unersetzlichen und geliebten Verstorbenen – aber sie sind noch viel mehr. Gerade, wenn im August die Hitze über den Städten flimmert, suchen viele Menschen schattige Rückzugsorte. Diese finden sie oft dort, wo man es zuletzt vermutet: auf dem Friedhof. Genau das rückt eine neue Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ins Licht. Unter dem Titel „Friedhöfe in Deutschland” zeigt sie, wie sich Deutschlands Friedhofslandschaft wandelt: von reinen Trauerorten hin zu vielseitigen grünen Rückzugsräumen mitten in der Stadt.
Die Botschaft der Studie ist deutlich: Friedhöfe sind längst mehr als Ruhestätten. Sie reagieren auf den gesellschaftlichen Wandel und veränderte Bestattungswünsche. Gleichzeitig erfüllen sie ein wachsendes Bedürfnis nach Ruhe, Natur und Abkühlung im städtischen Raum.
Zwei Drittel aller deutschen Friedhöfe liegen in kommunaler Hand, etwa ein Drittel wird kirchlich verwaltet. Gerade jetzt, wenn Beton und Asphalt die Hitze speichern, gewinnt ein Trend an Bedeutung: Immer mehr Kommunen gestalten ihre Friedhöfe ökologisch um – mit zusätzlichen Bäumen und naturnahen Flächen für mehr Biodiversität. So werden aus Orten des Gedenkens zugleich Räume der Naherholung, der Umweltbildung und des Lebens.
Gedenkportal
NEUES GEDENKPORTAL ...
Unser neues Gedenkportal ist jetzt online. Interaktive Gedenkseiten. Die Trauernden können Kerzen anzünden, Kondolenzen hinterlassen und Erinnerungen teilen von überall und jederzeit. Sie können Fotos austauschen und bekommen alle wichtige Informationen für die Beerdigung.
Schaufenster "Ein Koffer für die letzte Reise
Foto:
Ausschnitt Foto Grabstätte meines Bruders Hans-Josef (1954-2006) in Großgartach bei Heilbronn
Ach!
Ach, noch in der letzten Stunde
werde ich verbindlich sein.
Klopft der Tod an meine Türe,
rufe ich geschwind: Herein!
Woran soll es gehn? Ans Sterben?
Hab ich zwar noch nie gemacht,
doch wir werd’n das Kind schon schaukeln —
na, das wäre ja gelacht!
Interessant so eine Sanduhr!
Ja, die halt ich gern mal fest.
Ach – und das ist Ihre Sense?
Und die gibt mir dann den Rest?
Wohin soll ich mich jetzt wenden?
Links? Von Ihnen aus gesehn?
Ach, von mir aus! Bis zur Grube?
Und wie soll es weitergehn?
Ja, die Uhr ist abgelaufen.
Wollen Sie die jetzt zurück?
Gibts die irgendwo zu kaufen?
Ein so ausgefall’nes Stück
Findet man nicht alle Tage,
womit ich nur sagen will
— ach! Ich soll hier nichts mehr sagen?
Geht in Ordnung! Bin schon
© S. Fischer Verlag
Aus: Lichte Gedichte. Frankfurt am Main: S. Fischer / Fischer TB, 1997 / 1999
¿Y ha de morir contigo el mundo mago
donde guarda el recuerdo
los hálitos más puros de la vida,
la blanca sombra del amor primero,
la voz que fue a tu corazón, la mano
que tú querías retener en sueños,
y todos los amores
que llegaron al alma, al hondo cielo?
¿Y ha de morir contigo el mundo tuyo,
la vieja vida en orden tuyo y nuevo?
¿Los yunques y crisoles de tu alma
trabajan para el polvo y para el viento?
Antonio Machado (1875-1939), Galerías
SOLEDADES, GALERÍAS Y OTROS POEMAS, Madrid/Barcelona 1919, S. 51
Und muß mit dir vergehn die Zauberwelt
in der die Erinn’rung bewahrt
des Lebens reinste Atemzüge,
den weißen Schatten der ersten Liebe,
die Stimme, die zu Herzen ging,
die Hand, die in Träumen du festzuhalten suchtest,
und all die Lieben
die die Seele berührten, den tiefen Himmel?
Und muß mit dir vergehn deine Welt,
das alte Leben neu erfunden, nach deinen Regeln geformt?
Die Ambosse und Schmelztiegel deiner Seele -
arbeiten sie für Staub und Wind?
(Übersetzung von Leo Gros)
„Eine Tradition haben heißt nicht, eine Last seelenloser Bräuche und eines toten Wissens mit sich herumzuschleppen. Tradition heißt, hineintreten dürfen in den Strom, der sich nährt von den Wünschen und den Hoffnungen von vielen. In diesem Strom habe ich ein Grundwissen: Ich bin nicht allein, ich fange nicht an, ich muss mich nicht mit mir selber begnügen, nicht mit der eigenen Sprache und nicht mit dem eigenen kärglichen Geist. In unser Leben ist hineingewoben die Kraft und die Hoffnung all derer, die vor uns waren. ….. Wir haben Träume geerbt und so träumen wir nicht allein. Die Träume unserer Väter und Mütter sind nicht ausgeträumt, wir träumen sie weiter. Auch wir werden sie nicht zu Ende träumen. Wir hoffen auf unsere Kinder und Enkelkinder. Vielleicht kommen sie weiter als wir, vielleicht sind sie stärker, vielleicht sind sie mutiger. Man kann in eine neue Zeit treten, wenn man das Glück der eigenen Endlichkeit schätzt: Wir fangen nicht an, und wir müssen nicht vollenden“.
Fulbert Steffensky, Mit jeder Erinnerung geben wir uns ein Gesicht PUBLIK-FORUM Nr. 4, 2003, S. 49
Des Kerchejahr geht ze End: Gedanke vun eme alde Messdiener
Morsche is for die evangelische Christe Ewigkeitssonndaag, for uns Katholike Christkönigssonndaag, un for uns alle zwaa de letzte Sonndaag im Kerchejahr. Kerchejahr? Wer waaß heit noch was des is? Es fängt mit dem erschde Advent aa. Die Fräulein Pürner, Lehrerin in Eltville, hatt‘ emol en Plan entworfe, wo ausgesehe hot wie en Monopoly – weil jo aach des Kerchejahr im Kreis geht. Uff dem Kreis sinn Weihnachte, die Fastezeit, Ostern, Pingsde un viele annern Feste ingezeichend. Des Jahr war – un for die wo wolle: is – so gegliedert, geordnet, „strukdurierd“, hot sei Höhepunkte, sei laute un stille, sei fette un sei derre Zeite – un for’s Aage Messgewänder in verschiedene Farbe.
Alle Welt rieft no Orientierung. Aagebote dodefor gibt’s so viel, dass mer sich lang orientiern muss, bis mer sich zurechtgefunne hot. Wie wär’s mit dem alde Aagebot, was hinner dem Kerchejahr steckt? Die Bibel is voll mit Menschheits- un Gotteserfahrung, im Gude wie im Beese. In unserne Kerche steckt Herkunft, ohne die Zukunft nit möglich is. Un se biete Form, ohne die der Mensch, glaab ich, schlecht glaube kann. Se saage seit 2000 Jahr weiter, was unser Europa dorch viele Jahrhunnerde geprägt hot: Die Welt is nit heil-los, mir Mensche komme nit aus dem Nix un gehe aach nit dohie, wo nix is. In fünf Woche, an Weihnachde, feiern mer, dass Gott en Menschegesicht worn is, for grad emol 33 Jahr, damit mir’s dann selber sei könne.
Ja, mei Kerch hat des all oft verrate. En alde Messdiener wie ich is dodrübber traurig, manchmo zornig, manchmo resigniert. Dann denk ich draa, was ich dieser Kerch verdanke: Orientierung. En Zugang zu Schönheit un Feier. Mensche, wo mir beim Uffwachse zugeheerd un übberzeuchende Antworte uff mei Frage gebbe habbe. En Rahme for’s Lebe – der Soziologe Neil Postman nennt des „eine große Erzählung“.
Des Kerchejahr un was es verzehlt, des is en Schatz, wo viele Mensche alt, vun gestern, befleckt, verstaubt vorkimmt. Do geheert abgestaubt. Wann endlich hammer Fraue am Altar, mindestens emol als Diakonin? Müsse die Heiliche Messe am Sonndaag erscht ganz rar wern, bis mer neu über de Priesterdienst nachdenke? Wann mache mer endlich Schluss mit der Kerche- un Kommuniontrennung? Des sinn mei Frage noo Inne. Noo Auße saag ich abber: Im Kern bleibt der Schatz wertvoll. Ich bin dankbar, dass ich in meim Lebe die Heimat gefunne hab, wo die Seel Futter krieht, was nie ausgeht. (LG)
Mundartkolumne im Wiesbadener Kurier 24.11.2018
Psalm 23
Ich stell mer vor, ich bin en Lamm.
Mit GOTT als Hirt’ bin ich nie klamm.
Des Gras uff meiner Wiss is grie,
des Wasser frisch – ER bringt mich hie.
Mei Seel is froh, un weil ER’s will,
geh ich nit err, des freut mich still.
Un wann ich wannern müsst do wo
es dunkel is, bin ich doch froh,
bin nit alaans, weil sicherlich
DEIN Hirtestab ist Trost for mich.
Wann grie vor Neid aach annern gleich:
DU füllst mei Glas übber die Eich.
Wann ich an DEIN Disch gelange,
wern ich wie en Ferscht empfange.
Nie werd mir un meiner Seele
DEI Barmherzigkeit nit fehle.
In DEIM Perch is mir nit bang,
do derf ich bleiwe lebenslang.
En Versuch in Rheingauer Mundart von Leo Gros